Friede, Freude, Apfelkuchen – Couchsurfing #4

Wieder geht’s raus. Wieder mit Paul. Diesmal tief in den Urwald hinein. Direkt an Sydney grenzt ein mächtiges Waldareal, das aufgrund seiner farblich passenden Erscheinung „Blue Mountains“ genannt wird. Früh morgens geht’s gemeinsam im roten Mobil aus der Großstadt ins gerade mal zwei Stunden entfernte grüne Dickicht.

Voller Entsetzen bekommen wir jedoch erstmal die Ausmaße der Buschfeuer letzter Wochen und Monate vorgeführt. Der Wald ist licht, Straßenschilder verschmolzen, Zäune zusammengestürtzt und Hütten niedergebrannt.

Beim Fahren erzählt mir Paul wie er früher regelmäßig hier hoch gefahren ist, bei den ansässigen Apfelbauern zur Erntezeit geholfen und einfach eine gute Zeit hatte. Die Brandgrenze kommt so aprupt wie sie aufhört und ich kann in Paul’s Augen lesen, was er empfindet. Wenige Kilometer weiter fangen dann die Apfelplantagen an und gemütlich um 10 Uhr gibt’s frische handgepflückte Äpfel auf leckerem Mürbteigboden; kann mit Mama’s Apfelkuchen konkurrieren. Einen Sack Äpfel in den Kofferraum und weiter geht’s!

Als wir dichter zwischen die Baumriesen fahren, bekomme ich live vorgeführt wie Mutter Natur in Australien wirkt und zaubert. Trotz der Feuer stehen überall die Bäume; ja, blattlos und verkokelt aber die Stämme sind größtenteils erhalten. Die Überlebenstaktik der hier hauptsächlich wachsenden Gummibäume (Eukalyptus), die jährlich wiederkehrenden Feuer zu überleben ist erstaunlich.

Die leicht brennbaren Öle im Baum fördern sogar die Feuer. Die Strategie: Sind alle Konkurrenten verbrannt, treibt der Eukalyptus als Erstes wieder aus bevor andere Pflanzen sich erholt haben. Wie als Beweis von Stärke und wie ein wahrer Motivationscoach der ruft „Never give up, come back!“ beginnt es an den Stämmen grün zu sprießen. Zunächst ein leichter Flaum, der an den Stämmen rundherum und auch auf dem Boden das Schwarz der Kohle überwuchert und alles in lebendige Farben hüllt.

Randgeschichte für Baumbegeisterte und angehende Botaniker: Es gibt eine weitere verblüffende Baumart, namens Banksien hier. Diese überlebt nur dank der Feuer so gut, sie ist sogar regelrecht darauf angewiesen. Die Samen des Baumes sind in Tannenzapfen-anmutenden Früchten versteckt. Diese platzen erst bei großer Hitze auf und sorgen so für das Fortschreiten der nächsten Baumgeneration. Mit Feuer klappt die Fortpflanzung. Schlaue Natur!

Durch den Wald spazierend und atemberaubende Aussichten genießend schlendern wir durch die Wildnis; hin zu Klippen und Steingebilden. Und trotz (oder gerade wegen) der Unbekanntheit von Paul genieße ich seine Anwesenheit und den gemeinsamen Ausflug ins Nirgendwo. Ein langer Samstag geht zu Ende und ich bin dankbar für alles was Paul und ich heute entdeckt haben.

Gruß
Hendrik

P. S. Royal Gala Äpfel sind die besten!

Veröffentlicht von Hendrik

Ich bin Hendrik, gehöre der Millenium-Generation an und starte - zum Abschluss meines ersten Studiums und dem Beschluss eines neuen Lebenswegs - meinen Blog. Ich gebe euch Einblicke in meine Zukunft, die mich für 2020 zunächst nach Australien führt. Ich hoffe ihr lasst euch ebenso beim Lesen inspirieren, wie ich mich selbst beim Schreiben meines Blogs inspirieren will.

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