Schaffe, schaffe, Stühle (auf)bauen – Reisetagebuch #17.3

Dass ich als Teil der National Workforce als nächstes zur Arbeit in ein großes Stadion geschickt werde, kommt mir einer Beförderung gleich. Muss meiner Meinung nach an meinem ersten hochqualifizierten Auftreten gelegen haben. Auftreten wird hier im ANZ Stadium in Parramatta (ein Stadtteil von Sydney) heute abend eine mir nur allzu bekannte Truppe oder zumindest deren menschliche Überreste an Bandmitgliedernn. Nämlich die Kultband Queen. Und dafür werden von uns zahlreichen neonfarben-gekleideten Gehilfen erneut jede Menge Stühle aufgereiht. Bei einer Trinkpause in der Tribüne mit kaltem Durstlöscher in der Hand staune ich über das rege Treiben da vor mir. Wie Ameisen bewegen sich die einzelnen Punkte an Menschen und füllen gemächlich die Fläche mit 10.081 weißen Plastikstühlen (so zumindest laut Plan des Schichtmeisters).

Im Hinterund werden mit „Bohemian Rhapsody“ und „I want to break free“ die Lautsprecher getestet und aufgewärmt. Bei unserer Arbeit, die ich irgendwo zwischen geistiger Einöde und körperlicher Monotonie verordne, könnte ein Mancher durch die Musik inspiriert tatsächlich zu dem Wunsch von Songtitel Nummer zwei gelangen. Die schlafrhythmusunfreundliche Schichtarbeitszeit wirkt da nur verstärkend… *Gähn*

Doch schauen wir auf die Benefits:

Heute abend; nächster Schichtbeginn 23 Uhr zum Ende des Konzerts. Ich als pünktlicher Deutscher darf im orangefarbenen Dress das musikalische Finale des Abends genießen; bevor ich schließlich dem stulischen Anfang entgegenblicke. Abgeräumt werden die Sitze zusammen mit Südamerika-Arbeitskollege Sebastián, der nicht nur meine Skate-Leidenschaft teilt, sondern mich auch zum Spanisch lernen animiert. Gratis Spanischlektion beim Aufräumen, nicht schlecht.

Ganz anders als für mich ist für ihn aber die Arbeit weniger Spaß und Selbstbeweis sondern einfach nur eine Lebensnotwendigkeit. Die Familie in Chile und der 32-jährige selbst wollen versorgt werden. Fünf Tage die Woche auf dem Bau und wochenends Schichtarbeit mit der National Workforce. Zuckerschlecken geht anders. Zusammen beenden wir den Job.

Bereits jetzt habe ich viel aus meiner Arbeit hier gelernt. Eine Konversation zwischen Town-Hall-Hausmeister Steve (Bekanntschaft aus dem letzten Blog) und mir bringt es auf den Punkt:

Hendrik: „Do you want to do this job for the rest of your life?“
Steve: “ No of course not, I will just do it partly for now… What about you? Don’t tell me that you already know what it is for you!“
Hendrik: „No I honestly don’t, but after working here I know once more what job it is NOT going to be that I want to do for the rest of my life.“

Gruß
Hendrik

Veröffentlicht von Hendrik

Ich bin Hendrik, gehöre der Millenium-Generation an und starte - zum Abschluss meines ersten Studiums und dem Beschluss eines neuen Lebenswegs - meinen Blog. Ich gebe euch Einblicke in meine Zukunft, die mich für 2020 zunächst nach Australien führt. Ich hoffe ihr lasst euch ebenso beim Lesen inspirieren, wie ich mich selbst beim Schreiben meines Blogs inspirieren will.

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