Im Bann des Meeres – Reisetagebuch #25

Als es mich nach dem Stadtrundlauf an den Hafen von Ulladulla verschlägt, schaue und staune ich in welch einer Idylle ich hier doch gelandet bin. Ein Arm aus angehäuften Steinblöcken, so groß wie PKWs, umrahmt den Hafen und schafft so einen Schutz vor der Brandung und damit ruhiges Wasser in dem die Schiffe dümpeln.

Ein paar Menschen promenieren auf der errichteten Barrikade entlang und genießen das Ambiente von der sich senkenden Sonne und den durchs Wasser tanzenden Möwen.

Beim Blick aufs Meer und hinaus bis zum Horizont bemerke ich einen Fischer, der nicht weit von mir auf den großen Steinen sitzt und gerade seine Rute auswirft. *platsch* Schnell komme ich mit Charly ins Gespräch und fühle mich direkt in Wohlfühlzone als auf mein gebrochenes Englisch seines Antwort gibt. Der bereits in Rente lebende, ehemalige Malermeister ist zu Jugendzeiten von Malta nach Australien gekommen. Dort hat er sich mit 18 Jahren von Melbourne im Süden über Brisbane und zuletzt in Sydney sein Leben und eine Familie aufgebaut. Von letzterer, aktuell in Gestalt seiner Frau, mit der er zusammen in einem Vorort von Sydney wohnt, macht er gerade Urlaub. Ein kleines Häuschen und Fischerboot besitzt er hier in Ulladulla. Und darauf freut sich Charly dann immer mal wieder. Eine wochenweise Auszeit von der Frau und die Ruhe zum Angeln scheinen Grund für seine entspannte Haltung zu sein. Der Mann weiß wie’s geht. Natürlich erzähle ich ihm auch von meiner nun schon ein paar Monate umfassende Geschichte in Australien. So vergeht die Zeit und mit der Dämmerung bekommen wir fischreichen Besuch; und das nicht nur zu Charlys Angelfreuden.

Mit dem Einfahren eines großen Fischkahns – vollbepackt mit kistenweise Fang – sind nicht nur die Möwen von den über Bord gehenden Fischabfällen völlig aus dem Häuschen. Direkt vor uns, in der dunklen vom Mond und den Scheinwerfern des Bootes beschienenen Bucht, schaukeln und springen plötzlich ein, dann zwei, dann ein ganzes Rudel Delfine durch die Wellen. Ich bin nun ebenfalls aus dem Häuschen und sehe begeistert zu dem da in Ruhe sitzende und still genießende Charly, der mir erzählt, dass ihn die Delfinbande schon die letzten Abende besucht habe.

Und da wir schon beim Thema garlante und grazile Meeresschönheiten sind, Adjektive die mir beim Anblick der vielen Flipper in den Sinn kommen, erzählt der Malteser eine seiner kleinen Geschichten.

Setup: Charly, sein kleines Ruderboot und die große See bei Ulladulla. Weit draußen mit ausgeworfener Angel, so erzählt er mir, taucht neben ihm plötzlich unerwartet eine gigantische Schwanzflosse auf. Ob es am Köder seines Angelhakens lag oder am Timing will mir Charly nicht verraten; auf jeden Fall schwimmt neben ihm ein riesiger Blauwal. Er fährt die Hand aus, streichelt das Tier, das auf Armlänge an seiner kleinen hölzernen Nussschale vorbeischwimmt und sogleich abtaucht und nicht mehr gesehen ward. Jules Verne Formate, aber da Charly so ruhig und gelassen berichet, kaufe ich ihm seine Geschichte ab. Anderenfalls hat er wohl einfach eine guten Sinn fürs Geschichtenerzählen.

Da er noch bis zum Ende der Woche in seinem Ferienhaus verweilt, besuche ich ihn zur selben Zeit auch an den kommenden Tagen an seinem Fischerplatz und freue mich über die Weisheiten, die er mir beim Meeresrauschen mitgibt.

HENDRIK

Veröffentlicht von Hendrik

Ich bin Hendrik, gehöre der Millenium-Generation an und starte - zum Abschluss meines ersten Studiums und dem Beschluss eines neuen Lebenswegs - meinen Blog. Ich gebe euch Einblicke in meine Zukunft, die mich für 2020 zunächst nach Australien führt. Ich hoffe ihr lasst euch ebenso beim Lesen inspirieren, wie ich mich selbst beim Schreiben meines Blogs inspirieren will.

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