Auch 10 Minuten sind es wert – Reisetagebuch #29

Wieder geht’s auf die Straße. Diesmal nimmt mich Lindsay mit auf einen großen Trip. Wir fahren zum nahe der Staatsgrenge (North-South-Wales zu Victoria) und in den Bergen gelegenen Jindabyne. Und auch wenn Australien in erster Linie für Sonne und Strand steht, findet man hier – als an einem der wenigen Flecken – schneebedeckte Pisten; zu Freuden von zahlreichen Ski- und Snowboardurlaubern. Solche hauptsächlich heimatverliebten Australier sind wiederum für Lindsay gern gesehene Gäste, denn auf einem Hügel mit Blick über Jindabyne und den großen Stausee steht sein Winterhotel namens „Aalberg Chalet„. Und da wollen wir heute hin.

4 Stunden Autofahrt liegen vor uns. Eine Kleinigkeit für Lindsay und da ein Freund in der „Nähe“ wohnt, macht auch ein einstündiger Umweg nichts aus. Also hinein in den dichten Busch Australiens. Mitten im nirgendwo, abgelegen von allem Städtischen führt uns ein Feldweg mit so vielen Schlaglöchern und Steinen, dass ich die Hoffnung für unser Gefährt, den VW, schon aufgegeben habe, zu Peter und seiner Farm.

Die Hütten, die ihr unten im Tal seht, stellen die Behausung für Famer Peter und seine Frau Verena dar. Die nächste Stadt ist 40 Minuten per Auto entfernt.

Laut witzelnd begrüßt Lindsay seinen Freund aus der Fliegerschule (beide halten einen Pilotenschein; Peter hat sogar eine eigene Start- und Landebahn). Gelassen wie an einem ganz gewöhnlichen Sonntag fängt der alte Mann (70+) an auch mich ins Gespräch einzubauen. Seine Frau freut sich merklicher über den Besuch, der hier draußen doch sehr selten ausfällt. Darauf kann man schon Mal einen Freudenschuss loslassen.

Lindsay hatte bereits im Auto angemerkt, dass Peter einen „crazy shot“ hat. Um die Dingos (Wildhunde) von seinem Livestock (sprich Vieh) fernzuhalten und für den Eigenbedarf hat er ein Gewehr, dass er mir dann auch auf einer Zielscheibe vorführt. Weltansicht umkrempelnd: Die meiner Vorstellung nach als süß und niedlich empfundenen Kängurus werden von Farmern in Australien gewöhnlich mit jeder Menge Blei behandelt. Peter und Lindsay nennen die Tiere eine „Plage“ da sie Zäune zerstören und dem Vieh das Gras wegfuttern. Und so setzt sich Peter manchen abends mit Gewehr und Bier auf den Hochsitz, um Kängurus zu schießen. Das ist Australien.

Später hüpfen wir noch in Peters Auto (bzw. ich auf die Ladefläche seines Pickups) und heizen über die Farm; und die ist wirklich riesig. Wir sehen wilde Pferde (googelt mal „Brumby“), spielen Rennfahrer auf seinem Airstrip und treiben das Vieh mit der Autohupe in den Stall. Cooler Tag. Als wir uns verabschieden sehe ich das Funkeln in Peters Augen. Er weiß, dass er mir deutschem Grünschnabel eine große Freude gemacht hat.

Wieder im VW. Auf dem Weg zum Hotel in Jindabyne erzählt mir Lindsay von seiner Freundschaft mit Peter, der da so abgelegen wohnt. „Deine Zeit bedeutet Menschen hier draußen eine Menge. Für mich lohnen sich schon 10 Minuten, egal wie lange ich dafür fahre.“ Mir gefällt das was mein stets beschäftigter Business-Farmer da erzählt. Kann ich mir nur selbst eine Scheibe abschneiden, wenn es zu Hause um viel kürzere Distanzen aber genauso gute Freunde geht.

Grüße

Hendrik

Veröffentlicht von Hendrik

Ich bin Hendrik, gehöre der Millenium-Generation an und starte - zum Abschluss meines ersten Studiums und dem Beschluss eines neuen Lebenswegs - meinen Blog. Ich gebe euch Einblicke in meine Zukunft, die mich für 2020 zunächst nach Australien führt. Ich hoffe ihr lasst euch ebenso beim Lesen inspirieren, wie ich mich selbst beim Schreiben meines Blogs inspirieren will.

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