Farmurlaub mit Anzeichen von Quarantäne – Reisetagebuch #31.2

Rückblende April/Mai 2020: Tolle Arbeitskollegen, die erfrischende Arbeit in der Natur und einen stets witzelnden Boss; das klingt ja alles nach einer echt rosigen Zeit. Aber um die 3 Monate Farmaufenthalt voll und und ehrlich wiederzuspiegeln, will ich auch von den Tagen berichten, an denen es doch ordentlich graupelte. Und damit meine ich nicht das Wetter. Das war stets optimal für die perfekte Farmerbräune.

Ja heiß war es. Und die Arbeit draußen dementsprechend schweißtreibend. Die Sonnencreme und meine Wasserflasche waren zu Tage meine besten Freunde. Ich habe es genossen über mich täglich hinauszuwachsen und meine Grenzen zu finden; großen Respekt für alle die sich einem solchen Leben verschrieben haben. Lindsay, der ein wirklich harter Arbeiter ist, hat uns täglich 6-7 Stunden rangekommen und stets penibel auf eine ordentliche Arbeit geachtet (halbe Sachen gabs nicht).

Ein großer Faktor für graue Haare war weiterhin die Beziehung zu Tim. Der Franzose, der sich selbst „Carpenter“ nannte und mit 31 Jahren schon jede Menge Lebens-, Arbeits- und Menschenerfahrung gesammelt hatte (immerhin 10 Jahre mehr als ich), wusste immer zu allem eine Meinung zu haben und eine Idee oder einen Weg zur Optimierung zu finden. Gerade handwerklich war er wirklich fit und hat mir jede Menge beigebracht. Und auch lebensphilosophisch hatten wir stets gute Gespräche; zumindest in unserer Freizeit. Während der Arbeit gab’s täglich ein Kräftemessen zwischen Zweien, die es beide besser wissen wollten. Als der mit der größeren Erfahrung hat er mir oft Dinge aufgetragen und Jobs gegeben. Da ich aber uns beide als ranggleich und Lindsay als meinen Boss empfand, habe ich mir nicht jeden Befehl von Tim gefallen lassen. Gewitterpotential; hochexplosiv.

Die vielen Streits haben auch Lindsay in der Beziehung mit Tim betroffen. Er hat es nicht gern gesehen wie diese unsere Gruppe langsam spalteten. Nach weiteren Diskusionen und einem Ultimatum verließen nach knapp einem Monat Tim und Fern unsere Gemeinschaft; mehr oder minder gezwungen. Und auch wenn damit erstmal der Grund für die Unruhe beseitigt sein sollte, war der darauffolgende Monat trotzdem gespickt mit doch so einigen grauen Erinnerungen. Lindsay hat oft die Konfrontation mit mir und Zoë gesucht. Wenn der Job nicht zur kompletten Zufriedenheit ausgeführt wurde, entstanden rießige Diskussionen, die immer heiß und hitzig bis auf die Substanz gingen. Es wurde oft mit dem Rausschmiss gedroht oder zumindest der Platz auf der Farm in Frage gestellt. Insbesondere in der unsicheren CoronaZeit ein höchst unangenehmes Gefühl der Aufgeschmissenheit. Und auch wenn ich glaube, dass uns Lindsay lediglich mit dieser Taktik zu höheren Anstrengungen drängen wollte, habe ich mich doch oft missverstanden und ungerecht behandelt gefühlt. Ich erinnere mich somit an die letzten zwei Wochen als wirklich psychisch belastend, da für mich der weitere Weg nicht klar war.

Auf die ungewisse Zeit, die vielen Streits mit Tim und die wirklich anstrengende Arbeit blicke ich trotzdem mit großer Genugtuung und bin am Ende dankbar. Ich habe mich in den drei Monaten wohl so stark wie noch nie weiterentwickelt und so manche Lektion fürs Leben gelernt. Außerdem habe ich zusammen mit Zoë, der Irin, eine wirklich tolle Zeit gehabt. Wir beide haben von Beginn an im selben Boot gesessen – alleine in einer fremden Familie – und haben stets gegenseitig aufeinander Acht gegeben. Thanks for the fun time.

Hendrik

Veröffentlicht von Hendrik

Ich bin Hendrik, gehöre der Millenium-Generation an und starte - zum Abschluss meines ersten Studiums und dem Beschluss eines neuen Lebenswegs - meinen Blog. Ich gebe euch Einblicke in meine Zukunft, die mich für 2020 zunächst nach Australien führt. Ich hoffe ihr lasst euch ebenso beim Lesen inspirieren, wie ich mich selbst beim Schreiben meines Blogs inspirieren will.

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