Zu neuen Küchen; wie geht eigentlich Koch? – Reisetagebuch #35

Ich erinnere mich daran, dass ich zum Start dieses Blogs 2019, mit dem Ziel nach Australien aufgebrochen bin, über mich selbst mehr herauszufinden. Wie auch im damals verfassten Vorstellungs-Blog beschrieben, ging es mir insbesondere darum, zu verstehen, was denn nun eigentlich meine diversen Leidenschaften, auch in Hinsicht eines zukünftigen Jobs sind. Gleichsam dann aber bitte auch noch Land und Leute sehen.

„Many people travel to discover themselves but forget to discover the country and culture that they are in.“

Geoff, hat mit 62 Jahren viel gesehen und noch mehr geschmeckt

Und eben noch bei Farmer und Geschäftsmann Lindsay in Ulladulla – bei dem ich viel über mich selbst, über Australien und dadurch wiederum über mich selbst gelernt habe – bin ich nun auch schon im Zug zum nächsten Geschäftsmann, der seine Leidenschaft darin gefunden hat, gute Speisen zu bereiten. Es geht zu Geoff, einem Koch aus Bowral. Gespannt, ob die lehrreiche Farmarbeit überhaupt noch zu toppen ist, komme ich in einer für mich neuen Ecke Australiens an.

Bei mir ist mittlerweile Juni und damit steht auf der Südhalbkugel der Winter vor der Tür. Bowral, weg von der Küste, liegt im Landesinneren auf nahezu 700 Höhenmetern (als Vergleich: Berlin und Stuttgart sind bei 100 bis 250 m über Null) und bereits von meinem Farmer habe ich die Empfehlung bekommen mich auf eine bergige und kühlere Zeit einzustellen. Die Vegetation von immergrünen Eukalyptusbäume und Palmen weicht der von großen dicken Kiefern, hartem Gras und von kahlen Baumkronen. Nach drei Monaten Strand und Meer doch ein gründlicher Fassadenwechsel. Und durch dieses Setting reise nun ich, Hendrik, 21 Jahre, eine Gitarre, meine sieben Sachen und ein Lachen mit dabei um in Bowral mein zukünftiges zu Hause zu finden.

Am Bahnhof erwartet mich bereits mein Gastpapa Geoff, mit dem ich schon mehrfach telefoniert habe, im tiefergelegten 1er BMW. Nachdem ich mich ungelenk auf den Beifahrersitz habe fallen lassen, bin ich offiziell angekommen. Und wo fahren wir, in Zeiten von Corona, dann als erstes gemeinsamen hin? Na klar, ins Corona Testcenter. Ich kann es Geoff nicht persönlich nehmen, schließlich hat er die Verantwortung vor seiner Familie, von der er behauptet, diese mir schon bald vorstellen zu wollen. Beim Einchecken ins Testcenter beantworten wir dem in Schutzkleidung eingewickelten Mann „Prince“, unserem medizinischen Ansprechpartner, ein paar formelle Fragen und ich muss schmunzeln. Es ist merkwürdig, eine fremde Person anhand ihrer Vorerkrankungen, Allergien und durch Fragen wie „welche Medikamente nehmen sie im Moment“ kennenzulernen.

Mein erster Corona-Test läuft dann recht ähnlich wie ein Vaterschaftstest (zumindest stelle ich mir letzteren so vor). Es wird einem ein Wattestäbchen an die Mund- und Nasenschleimhaut gehalten, damit eine Probe zur Untersuchung entnommen und nach 24 Stunden kommt der glorreiche Anruf von Prince. Seine Botschaft, denke ich mir, hat wohl das Potential, den Verlauf deines Tages ziemlich durchzurütteln.

Nach diesem ersten doch recht medizinischen Näherkommen, gehts beim „Bottle shop“ vorbei (in Australien der Einkaufsladen für Alkohol) und mit genug Bier und Wein ausgestattet, um den nächsten Bezirksligatreff zu sponsern, sind wir auf der Straße nach Hause. Trotz früher Abendstunde, zu der wir auf Geoffs Hof ankommen, ist es auch hier im Winter bereits dunkel und so sehe ich nur teilweise, dass wir durch ein Tor und zwischen zahlreichen, eine Allee bildenden Bäumen hindurch an einem baufällig altertümlichen Holzhüttchen ankommen. Spoiler: Meine Höhle der nächsten vier Wochen. Im ersten Stock hat Geoff nämlich ein Arbeitszimmer inkl. Bett; mein Bett.

Aber die Höhle wird sich geteilt, denn hauptsächlich ist die Holzhütte das Reich von Geoffs Zaubereien. Beim Eintreten stockt mir der Atem: Ich bin in einer überdimensionalen Küche! Gigantische Töpfe, Kellen, ein rießiges Kochfeld und Gewürzeimer, Einmachgläser und Küchengeräte so weit das Auge reicht…

Zwischen all dem lassen wir zwei uns nieder und beginnen die erste Flasche Bier und ein Gespräch, bei dem sofort eins zu spüren ist; Geoff ist einer von den Guten. Wir reden über Gott und die Welt und trennen uns müde zum Schlafen gehen mit dem Ausblick eine tolle Zeit vor uns zu haben. Erste Hausaufgaben gibt’s auch. „Think about what you want to learn!“, sagt Geoff noch beim aus der Scheune aka Küche gehen. Damit bin ich allein.

Von wegen schlafen, mein Kopf tanzt im Kreis, denn bereits nach diesen ersten Stunden, denke ich unter anderem daran (mal wieder), wie viel es da draußen doch zu entdecken gib. Das schöne daran: Gleichsam finde ich stets etwas über mich selbst heraus. Und wie geht das besser, indem man ungeniert und herzhaft Neues ausprobiert? Deshalb: „Wie geht eigentlich Koch?“ …

… für Anfänger

Hendrik

Veröffentlicht von Hendrik

Ich bin Hendrik, gehöre der Millenium-Generation an und starte - zum Abschluss meines ersten Studiums und dem Beschluss eines neuen Lebenswegs - meinen Blog. Ich gebe euch Einblicke in meine Zukunft, die mich für 2020 zunächst nach Australien führt. Ich hoffe ihr lasst euch ebenso beim Lesen inspirieren, wie ich mich selbst beim Schreiben meines Blogs inspirieren will.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: