Die Tomatenlektion – Reisetagebuch #36

Bowral 27. Mai, am Morgen. Heute bin ich früh und verkatert aufgewacht, denn ich muss zugeben, eine wirklich abenteuerliche Nacht erlebt zu haben. Küchengeräte haben gepiepst, Schnaken fanden mit mir ihren Hauptgang und der dünne Bretterverschlag der Hütte hat mein Zimmer rasch zur Kühlkammer gemacht. Wird man so auf die Zeit als Kochlehrling eingestimmt? Egal, am ersten Tag will ich einen guten Eindruck machen und lasse mir kein Gejammer durchgehen. „Reiß dich zusammen!“ Einen ersten Blick bei Tageslicht aus dem Fenster lässt mich Frohsinn tanken…

Mir ins Gedächtnis rufend, dass es ein großes Wunder ist, hier eine Unterkunft gefunden zu haben, will ich dankbar sein. Mit Geoff habe ich einen Deal für meinen Aufenthalt ausgemacht. Unsere Abmachung soll über gut einen Monat andauern (in fünf Wochen fliege ich nach Hause) und für mich Arbeit auf Geoffs Hof und in seiner Küche beinhalten. „You will have privacy, corona-safe accommodation, nice meals, shower and laundry facilities in return for a reasonable amount of work“, heißt es in seiner letzten Mail. Ohne den monetären Umweg werde ich hier also direkt für mein täglich Brot und Wasser arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt habe ich natürlich keine Ahnung, dass ich bald meine Leidenschaft zum Brotbacken erlernen werde… Aber der Reihe nach.

Einer meiner Gedanken zu Geoffs Frage vom Vortag war sofort, dass ich besser schnibbeln lernen will. Ich sage ihm, dass ich damit alles Mögliche meine; wie Gemüse, Obst und Fleisch. Als ich Geoff dies am morgen erzähle, erfreut er sich zunächst, dass ich ihm a) zugehört und mir b) Gedanken gemacht habe. Und nach morgendlich aufgekochtem Kaffeegranulat – Geoffs „little friend in the morning“ – hat er direkt einen Plan, wie ich meinem Wunsch nachgehen kann und ihm gleichzeitig zur Hilfe bin.

Erst mal schickt er mich raus in den Garten, um die „letzten“ Tomaten zu pflücken. Und damit meint Geoff die Fünf bis sechs Bottiche, die ich, wies kommt, rot und grün, nach und nach in die Küche hiefe. Das Arbeiten, draußen mit frostiger Luft bei Sonnenschein, fühlt sich gut an.

Und dann darf ich also ran an die Bottiche, darf schneiden, hacken und Fingerspitzengefühl beweisen. Nach Geoffs erster Live-Einweisung zum Schneiden, nämlich vier Finger abgerollt und Daumen in der Faust versteckt, darf ich loslegen. Er meint, er habe jetzt zu tun und lasse mich alleine, komme aber heute Nachmittag wieder, um zu sehen, wie ich mich schlage. Dann zeigt er auf einen Sack Zwiebeln und meint todernst: „Falls dir langweilig ist, hat es im Kühlraum von diesen 10 kg Säcke noch ein paar für dich. Pfft pfft, du weißt, was zu tun ist.“

Ich bereue, was ich mir gewünscht habe! „Really?“, frage ich mich. „Ich habe gerade die Chance bei einem wahren Koch zu lernen, also hör auf zu heulen und streng dich gefälligst an!“ Nagut, beim Zwiebelnschneiden ist es schwer zwischen Emotionen und durch durch die Luft schwirrender Säure zu unterscheiden; Tränen fließen trotzdem. Später zeigt mir Geoff einen ganz einfachen Trick dazu.

Und da ich es nicht nur ihm, sondern insbesondere auch mir beweisen will, beende ich noch nachmittags mein Werk und bin zufrieden… Die Geschichte geht noch weiter und hat mich zu einem Gedicht inspiriert. Lest selbst!

Ein toller, lehrreicher erster Tag. So kanns doch weitergehen. Und so gehts auch weiter…

Gruß
Hendrik

P. S. Der Trick zum Zwiebelnschneiden ohne Weinen ist: Fenster auf und Abzug an und schon fliegen alle reizenden Teilchen schnurstracks zu den Seiten weg. So simpel!

Veröffentlicht von Hendrik

Ich bin Hendrik, gehöre der Millenium-Generation an und starte - zum Abschluss meines ersten Studiums und dem Beschluss eines neuen Lebenswegs - meinen Blog. Ich gebe euch Einblicke in meine Zukunft, die mich für 2020 zunächst nach Australien führt. Ich hoffe ihr lasst euch ebenso beim Lesen inspirieren, wie ich mich selbst beim Schreiben meines Blogs inspirieren will.

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