Der Koch, Baba und ich – Reisetagebuch #37

Nach der Tomatenlektion, mit der ich von meinem Koch Geoff direkt voll ins Küchenleben eingebunden wurde, geht es auch die nächsten Tage im Vollbetrieb weiter. Insbesondere auch deswegen, da sich am zweiten Tag Prince meldet. Ihr erinnert euch an den Corona-Test bei meiner Ankunft? Und dazu kommt aus dem nichts und mit unterdrückter Nummer ein Anruf des Mediziners mit dem kurzen Statement: „You are negative.“ Die frohe Botschaft, nicht unsere letzten Tage zählen zu müssen, feiern wir mit einem ersten festen Händedruck. Darüber freue ich mich rießig, denn nun darf ich offiziell den Rest von Geoffs Familie kennenlernen.

Und da gibt es eine ganze Menge zu beschnuppern. Mein einundsechzigjähriger Koch hat vier Kinder, zwei davon wohnen zusammen mit seiner Frau direkt um die Ecke in einer der Hütten auf dem Hof. Alles interessante Gesellen. Die Frau Angela ist studierte Biologin, die große Tochter Doktor der Medizin und der jüngste Sohn geht noch zur Highschool und ist sportlich stets motiviert. Durch Geoffs Ideen, wie ein gemeinsamer Pizzaabend, kommen wir uns schnell näher.

Soviel zur menschlichen Seite der Familie. Gekrönt wird die Farm nämlich vom einmaligen und komplett durchgedrehten Labrador, die mich und Geoff täglich ebenfalls mit großem Beitrag unterstützt. Baba heißt die Hündin und Hunger ist ihr zweiter Vorname. Egal was man dem liebsten Hund auf Erden hinstellt, es wird mit Sprüngen, Schmatzen und zittrigem Kopf erwartet und dann verschlungen. Ebenfalls fürs leibliche Wohl beitragend, liebt Baba eine gute Streicheleinheiten; kann ähnlich wie der Futtertrog ganz ohne Limit genossen werden. „Yes!“, denke ich mir, wieder einen Hund mit dem man Spaß haben kann.

Mit der tierischen Recyclingmaschine bin ich ab sofort verbrüdert und freue mich stets, wenn Baba neben mir im Garten herumtollt, wir unsere Nasen beim Spaziergang in Neues stecken oder sie während ich in der Sonne liegend ein Buch lese einfach nur ruhig neben mir liegt. Zugegeben, Letzteres kommt echt selten vor aber Baba ist eben auch ein absoluter Energiebolzen. `Geoff betont immer wieder, dass sie noch dazu auch eine sehr weise Hündin ist und meint dann, er könne mindestens genauso viel von Baba lernen wie der Hund von Geoff. Er habe sie als Welpin bekommen, ausgebildet und trainiert aber sie ist es, die es täglich schafft ihn zum Nachdenken zu bringen. Mal genau hingeschaut.

Und dazu soll genug Zeit sein. Immer mal wieder am Tag, wenn wir wieder eine gute Koch- und Experimentiersession hatten, uns nebenher noch ein Mittagessen zwischen die Kiefer gedrückt haben und die Küche zum dritten mal poliert wurde bzw. wieder begehbar ist, gönnt mir Geoff Ausgang. Den nutze ich stets, um das Draußen zu erforschen. Dieses „Draußen“ ist Geoffs Grundstück und die Felder, Wiesen und Wälder, die sich dahinter erstrecken.

Aber wie bereits erwähnt soll neben dem Genießen eben auch das Schaffen nicht zu kurz kommen. Denn neben gutem Essen werde ich die nächsten Wochen insbesondere eins zur genüge anfassen: Spülwasser! Wie man sich denken kann, produzieren ein Koch inklusive experimentierfreudigem Lehrling nicht nur jede Menge Gerichte sondern auch jede Menge Geschirr. Bilder von diesen Spülbergen kann ich leider aus keinem Winkel auf die Kamera bekommen. Und auch wenn unsere Koch- und Redeabende lang und die Schmutzspuren stets noch länger werden, halte ich mit Disziplin an meiner Putzlogik fest.

Meine Logik:

  • 1. Ich spüle ab und alles ist aufgeräumt und geordnet
  • 2. Geoff kann dadurch direkt durchstarten
  • 3. Somit benötigt er weniger Zeit und Nerven für seine Projekte
  • 4. Damit hat er mehr Zeit
  • 5. Diese Zeit kann er nutzen, neben seiner Arbeit, mir Neues beizubringen und zu lehren
  • 6. Das Resultat: Ich bekomme Aufmerksamkeit und einen tollen Koch, der Lust, Spaß und Energie für mich hat

Mein Konzept geht auf und ich bekomme es durch viel Aufmerksamkeit und den Wohlwollen Geoffs gedankt. Ebenfalls habe ich schon bald eine gute abwechslungsreiche Routine entwickelt. Neben den Jobs in der Küche arbeite ich mittlerweile auch draußen im Garten, reche Blätter zusammen, schneide Bäume, mähe das Gras nur um kurz darauf immer wieder von Geoff mit einem Lächeln unterbrochen und in die Küche gerufen zu werden, da er mir was zeigen will.

An den vielen Tipps und Tricks von meinem Koch möchte ich euch Leser teilhaben lassen. Seit also genauso gespannt wie ich, was man in der Küche noch alles lernen kann.

Grüße
Hendrik

P. S. Habe ein gutes Messer inkl. eines angemessenen Schneidebretts. Meiner Meinung nach ist hier beiderseits stets „zu groß“ besser als „zu klein“

Veröffentlicht von Hendrik

Ich bin Hendrik, gehöre der Millenium-Generation an und starte - zum Abschluss meines ersten Studiums und dem Beschluss eines neuen Lebenswegs - meinen Blog. Ich gebe euch Einblicke in meine Zukunft, die mich für 2020 zunächst nach Australien führt. Ich hoffe ihr lasst euch ebenso beim Lesen inspirieren, wie ich mich selbst beim Schreiben meines Blogs inspirieren will.

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