Ein Tag im Büro – Reisetagebuch #11.2

2 Tische weitergerutscht geht’s an den Platz von Shinya. Der junge Japaner mit der Microsoft-MeisterAusbildung darf sich einer ganz besonderen Idee von mir widmen.

Bereits in Deutschland habe ich mir mit dem Unterricht diverser Nachhilfekinder meine Schulkenntnisse und monetäre Situation aufgefrischt. Nebenbei was Gutes tun und Familienkonstellationen sowie Kindes-Charaktere kennenzulernen, ist natürlich eine weitere Motivation. Warum dann denn nicht mit meinen durchaus passablen Englisch-Kenntnissen das selbe hier versuchen?

Und da kommt Mr. Word aka Shinya ins Spiel. Das von mir auf dem USB-Stick mitgebrachte Dokument, das als Flyer und Advertisement meines Nachhilfeangebots dienen soll, wird nun genauer inspiziert. Shinya hinter dem Computer hilft mir nicht nur bei Gestaltung, Format und Wording des Flyers, sondern erklärt mir auch wo gute Stellen zum Platzieren in Sydney sind. Einerseits möglichst viele Leute, aber insbesondere sollen die richtigen Leute die Botschaft lesen… By the way, eine Aussie-Nummer ist an dieser Stelle unumgänglich!

Das er mir gleich noch eine Hand voll Ausdrucke macht, freut mich umso mehr. So kann ich also starten und mit Tesa und Papier gerüstet ausrücken, mir meinen #1 Job zu angeln… aber halt, da kommt was zuvor…

Hendrik

P. S. Die Idee mit dem Nachhilfeangebot habe ich bereits hier geteilt. Eine ähnliche Nieschen-Arbeit sehe ich die nächsten Tage live in meinem Hostel. Für 15$ rasiert da ein Mädel den Jungs die Seiten (für den täglich frischen Undercut). Einfach im für alle zugänglichen Badezimmer auf die Schemel gesetzt und losgeschoren…

Ein Tag im Büro – Reisetagebuch #11.1

Der Mann der Stunde, den ich schon bei der dreisprachig gehaltenen Einstiegspräsentation kennenlernen durfte, heißt Patrick. Wundervoll fließendes Französisch, Deutsch und Englisch sprechend ist er für mich auch in Sachen Verständigung eine wahre Inspiration. Heute geht’s aber um Business; in der Hauptangelegenheit als Jobvermittler.

In unter 60 Minuten überflutet er mich dafür mit Ideen zu möglichen Arbeitsfeldern, Einschätzungen zum Erfolg einer Büro-Job-Einstellung, Hinweisen zu brandaktuellen Kurzzeit-Arbeitsstellen und massenhaft Papier voller Telefon- und E-Mail-Kontakten. Das ganze wird mit Notiztheft-füllenden Gedankenanstößen und Lifehacks abgerundet. Für ihn hat Einstein wahrlich den Spruch „Nur das Genie beherrscht das Chaos“ erfunden.

Froh nach einer Stunde den Papiersturm überstanden zu haben, bin ich in Gedanken bereits beim Erstellen von glanzvollen CVs, von garlanten Cover letters und dem Vernetzen mit zahlreichen Business-Kontakten. Zunächst ist aber erstmal Hand geben und ein „Thank you Patrick, see you soon!“ angesagt.

Ganz nebenbei hatten wir alte CVs durchgearbeitet, Bestehendes optimiert und Fehlendes vermerkt. Ich fühle mich gestärkt und ready. Einen verständlichen Cover letter als Gesicht der Bewerbung zu schreiben, stellt auf Englisch eine ganz andere Herausforderung dar, als ich mir mit meinem Google-Übersetzer-Können anfangs eingestehen wollte. Gut jemanden bei der Seite zu haben, der einen professionellen Blick auf die vielen Kleinigkeiten wirft. Diese können vorm HR-Manager im Stapel voller Bewerbungen eine ganze Menge ausmachen.

Da ich mich anhand meines Studiums in Deutschland auf Marketing-Jobs bewerbe, soll Patrick auch weiterhin eine wichtige Stütze sein!

Let’s go!
Hendrik

Darf ich vorstellen, Hendrik der Hotelmanager! – Reisetagebuch #10

Da wir Deutsch heute gut gebrauchen können, wieder weiter in unserer wunderschönen Muttersprache. Randbemerkung: Schon nach kurzer Zeit im sprachlichen Ausland und dem Beendigen meiner letzten mitgebrachten Deutsch-Lektüre vermisse ich es, unsere grammatikalischen Finten und Schachtelsätze Seite für Seite zu erforschen. Ein Glück besitzen viele Hostels Bücherregale der Erleichterung (Neologismus, der einem Backpacker beim Abladen des Gebundenen durch den Kopf geht) mit Selbstbedienung. Da kommt mir der Papier-Import der vielen Schwarz-Rot-Gold-Reisenden doch sehr gelegen!

Apropos Hostel. So eines wird heute gesucht. Auswahlkriterien: Preis, Sauberkeit, Leute. Patrick hatte mir gestern eine Gegend nahe Park und Hafen empfohlen, die günstig und herbergenüberflutet daherkommt. Also komme ich daher. Und zwar zur rechten Zeit zum rechten Hostel!

Meine auf dem Fußweg ausgefeilte Taktik soll mir gewähren, das Richtige zu finden. Ich gehe also durch die offene Türe, vorbei an der Rezeption; wie ein klassischer Backpacker sehe ich ja aus! Im Gespräch mit den dort bereits Wohnenenden und beim Umschauen bin ich doch sichtlich begeistert. Und dann kommt auch noch optimales Timing dazu. Beim Preise erfragen, teilt mir die deutsche Rezeptionistin von der freien Stelle im Hostel mit. Ob ich denn jemand bin, der kein Problem hat nachts wach zu sein?

Auf dem Heimweg kann ich es immer noch nicht fassen direkt einen Job angeboten bekommen zu haben. Von wegen nur durch selber ansprechen kommt man an Jobs. Die Erfahrung lehrt mal wieder anders… Grinsebacke. Ich gehe zwar noch in ein anderes Hostel, doch entscheide, dass ich die 30 anderen Möglichen erst mal ruhen lasse. Voller Vorfreude mache ich mich daran, meinen CV für den Hostel-Night-Manager-Job zu erstellen. Wäre doch gelacht, wenn das direkt klappt.

Bevor ich den jedoch abschicke, erstmal wen drüberschauen lassen. Gutes Timing again, da ich für heute Nachmittag mit Patrick verabredet bin.

Auf ins Büro!

Hendrik

Die Sache mit der Sprache – Reisetagebuch #9

Yes, Papierfrust überstanden! An dieser Stelle ein Zitat von Flo, meinem Agency-Reiseexperten und nach erstem Gespräch mittlerweile Sportskumpanen.

„Any idiot with a plan can beat a genius without one“

Warren Buffet

Wär doch schlau sich das im Hinterkopf zu behalten… Dann wenden wir uns jetzt doch mal zu den schönen Dingen, die durch das ganze Planen erst ermöglicht werden. Und ich rede selbstverständlich von der Pracht Sydneys. Endlich da und angekommen, will ich nun erfahren und erleben, was es bedeutet in Australien zu sein.

Und der beste Weg das rauszufinden, heißt für mich: Raus, laufen, schauen und reden. Die ersten drei dieser Wörter sind wohldurchdacht und leicht umgesetzt. Meine Philosophie puncto „reden“ möchte ich mit euch hier teilen.

Tatsache ist, es gibt Unmengen Deutscher in Sydney. Die Chancen mit unserer Muttersprache auf der Straße zu überleben, stehen gut. Das Selbige gilt für die Hostels. Meine Überlebenstaktik sieht, da mir das Verbessern meiner Deutschkenntnisse seit der Ankunft wenig am Herzen liegt, demnach realtiv einfach aus. Ich rede mit Nicht-Deutschen auf Englisch und mit Deutschen ebenso (außer unmöglich). Noch ein Zitat:

„So wenig wie möglich, so viel wie nötig“

Logistik-Dozent zu Uni-Tagen zum Thema Klausur-Lernverhalten

Der schöne Nebeneffekt ist natürlich, dass einem beim Quatschen mit – dann mal tatsächlich – Einheimischen wie Samy und Serge die Wörter viel leichter über die deutsch-gewöhnten Lippen gehen. Und mit so coolen Leuten will ich auch cool kommunizieren können. Deshalb trockenüben wo’s geht!

Hier Tipps, die mir dabei helfen, die Spache in den Kopf zu bekommen,:

  • Reden mit jedermann/jederfrau
  • Bücher/Zeitungen auf Englisch lesen
  • Filme auf Englisch schauen (inkl. Untertitel)
  • Englisch schreiben (z. B. Mails, Whatsapp-Chats, …)
  • Englische Vorträge, Theater, etc. besuchen
  • Alles Unbekannte googel-übersetzern

Und ihr glaubt nicht wie viel Eindruck gutes Englisch machen kann. Ein Training ist für mich z. B. auch mit Patrick, dem Agency-Job-Experten Mails nur noch auf Englisch zu schreiben; gilt genauso fürs Reden. Da ist ganz egal, dass er Deutsch auf Muttersprachen-Niveau spricht. Perfect, now we can start to write this blog in English!

Hendrik:D

OrgaSpaß in der Großstadt – Reisetagebuch #8

Unübersichtliche Online-Registrierungen, endloser Mailverkehr und bürokratischer Zettelkrieg; da kommt doch Reisestimmung auf! Damit niemand verzweifelt, kommt hier eine Auflistung der drei wichtigsten Leichtermacher beim Ankommen in Australien: Let’s keep it simple!

Dass man ohne telefonierfähiges Handy ziemlich aufgeschmissen ist, wurde mir letzten Sonntag am Bahnhof in Sydney klar. Nicht so einfach sich dort für den Ausflug mit Serge zu treffen. Noch schwieriger (nein, unmöglicher) ist es ohne ausländische Handynummer einen Job zu finden. Unterwegs mal was googeln zu können, hilft auch von Zeit zu Zeit. Ergo, Handy-SIM-Karte muss her. Meine Wahl „Telstra“. Die bieten sogar kostenloses Telefonieren nach Deutschland. Da freut sich die Family. Mehr Vorteile (Flexibilität, da nicht angewiesen auf WLAN, …) brauchts nicht.

Ebenfalls fürs Arbeiten wichtig: Bankkonto + Steuernummer. Auch das ist „leicht“ gemacht, dauert aber seine Zeit (+ Nerven). Während die Bank einfach aufzusuchen und dort das Konto zu eröffnen ist, braucht das mit der Steuernummer (via Online-Beantragung) etwas länger. Danke PractiGo für die Hilfe dabei. Überlegt euch gut, ob ihr wirklich „KEIN“ Bankkonto braucht. Zwar werden Jobs, wie meine (SpoilerAlarm) die nächsten Tage aufkommende Nachtwächter-Aktivität (aber auch beim Farmwork) oft bar auf die Kralle entlohnt. Für größere, offiziellere Jobs (im Restaurant, auf dem Bau, …) benötigt ihr aber definitiv eine Bankverbindung. Das sind auch die Jobs, die tendenziell besser entlohnt werden.

Meine Empfehlung für das große Sydney ist auch, sich eine Karte für den öffentlichen Nahverkehr zu holen. Heißt hier Opal-Karte und erleichtert die Wege durch die Nutzung von Bus, Zug und S-Bahn. Ganz entspannt vor Ort im Kiosk zu kaufen. Und hier gilt die gleiche Regel ebenso für SIM und Bank: Macht euch die Sache einfach indem ihr euch erst darum kümmert, sobald Anreise, Jetlag und auch der Kopf ausgeschlafen sind. Geht wesentlich schneller als das schon von Deutschland zu organisiern.

Ebenfalls hilfreich war für mich ein Rückenfreihalter bei der Beantragung von SIM und Konto in der Filiale. Damit meine ich in meinem Fall Chris, einen der belgischen Backpacker vom Vortag, mit dem sich am Nachmittag zusammen ins Bürokratiemeer gestürtzt wurde. Eine zweite Meinung, den Überblick von anderer Perspektive oder tatsächlich einfach nur jemanden, der einem kurz mal was hält, während man anderweitig fokussiert ist, ist wirklich Gold wert! Gruß an dich, Chris!

Sobald all das beantragt ist, wird sich erstmal eine break in der Sonne gegönnt. Diesmal mit kühlem Smoothie. Geht doch!

Hendrik

Aller guten Freunde sind drei – Couchsurfing #2

Natürlich freue ich mich, als ich mich sonntags mit den beiden am Bahnhof in Sydney treffe. Naja ein wenig skeptisch bin ich schon. Wieso sollte Serge, gut angezogen und sesshaft (direkt hier in der Großstadt) irgendjemanden in sein sportliches und sauberes Auto lassen? Und dann auch noch für einen Tag rumkurtschieren…?

Die lässige Antwort von Serge, der aus Russland kommt, eigentlich Sergey heißt und mittlerweile hinterm Steuer sitzt: „I got nothing else to do for today!“ Noch dazu liebt er sein Land (er nennt Australien nach etlichen Jahren natürlich Heimat) und freut sich unbekannten Reisenden unbekannte Orte zu zeigen. Und an die soll es heute auch gehen…

Mit Serge und mir im Auto sitzt außerdem der Spanier Marc, der mit 24 durch die Welt backpackt (in seiner Mission der letzten Tage). Da es für ihn in der kommenden Woche bereits heimwärts geht, freut er sich umso mehr einen Ausflug in einen großen Nationalpark nahe Sydney zu machen. Und nicht nur die luxuriöse Anfahrt im Russen-Taxi ist es, die den Tag besonders werden lässt. Natürlich kennt Serge all die kleinen secret Spots, an die man ganz entspannt mit eigenem Auto und Jahresticket für den Park gelangt.

Trotzdem; für mich sind es nicht die Klippen mit Meeresblick, der abgelegene Strand an dem Süß- und Salzwasser zusammenfließen oder das Aussichtsplateau mit Tief-Luft-Hol-Garantie, die den Tag einmalig machen. Es ist die Anwesenheit und Gemeinschaft von uns drei Reisenden, die sich gegenseitig mit Geschichten, ihrer Spontanität und mit bloßer Leichtigkeit erfreuen. Wir passen perfekt zusammen, sprinten den Strand entlang, schwingen beim Cricket spontan den Schläger oder genießen das gemeinsame Picknick bei Sonnenschein unter einer schattenspendenden Palme. Hier Fotos u. a. vom Beach-Cricket mit den gerade arbeitslosen Life-Savern (da keine Touris im Wasser sind).

Ebenfalls will ich für alle Reisenden da draußen hervorheben, wie erquickend und bereichernd ein Treffen mit „Einheimischen“ wie Serge ist. Ich bekomme von ihm viel zum Land und zur Tier- und Planzenwelt erzählt (einiges davon Teil meiner Videos). Aber auch zukünftige Verhaltenstipps und bereits gemachte, persönliche Erfahrungen beim Couchsurfing kommen genau zur richtigen Zeit.

Was zum Schluss und am Ende des Tages bleibt, ist eine Dreiertruppe, die zusammengeschweißt ist. Wir sind innerhalb eines Tages gute Freunde geworden und ich freue mich auf das nächste Treffen!

Hendrik

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